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Elektronische Musik - Genres u. Subgenres I

in Diskussionen rund um Musik 07.03.2010 23:11
von Bob Satyr | 82 Beiträge

Um die einzelnen Stilrichtungen der elektronischen Musik zu erläutern muss ich natürlich hin und wieder auf das schon in dem Thread Elektronische Musik History geschriebene zurückgreifen, also sollte es nicht allzu verwundern, wenn sich mal etwas wiederholt.

Als erstes möchte ich auf das Genre Techno eingehen. Techno ist eine Stilrichtung der elektronischen Musik und zugleich der Name einer ganzen Jugendbewegung, ähnlich wie New Wave oder Gothic nicht nur Bezeichnungen für die Musik sind.

Der Musikstil Techno allerdings baut sich auf einen einfach 4/4 Takt auf mit sich ständig wiederholenden Arrangements, durch Hinzunahme von Effekten oder flächendeckenden Sounds baut sich aber ein treibendes und euphorisches Rhythmusmuster auf. Das Schreien oder lautes Rufen, während der sich steigenden Sequenzen ist ein nahezu üblicher Vorgang. Kraftwerk, wenn auch eigentlich eher Electro-Pop so kann man doch sagen, das sie heutig Stile immens inspiriert haben und jeder der sich der elektronischen Musik verschworen hat, hat mehr als nur eine Platte oder CD von denen. Gerade die Werke Mensch-Maschine und Computerwelt weisen schon teilweise tanzbare minimale Rhythmen auf. Als Afrika Bambaataa den Track Planet Rock veröffentlichten in dem die Melodie von Kraftwerk´s Trans-Europe-Express verwandt wurde, steigerte dies die Popularität von Kraftwerk in den USA und inspirierte spätere Techno-Pioniere.

Weitere Leute/Bands die Pioniere oder Vorläufer waren sind z.B. Yello, Jean Michel Jarre, Brian Eno, Depeche Mode usw. die Liste ist lang von Leuten die sich schon früh mit elektronischen Klängen beschäftigten und sie in ihre Musik einbauten. Aus Deutschland wäre da vielleicht noch in den 80er Einstürzende Neubauten zu nennen, die zwar keine ich sag mal technoide Musik machten, aber durchaus mit elektronischen Klängen spielten.

Zusammenfassend wurden viele Stilrichtungen als Inspiration genutzt, EBM, House, Acid House, Detroit Techno und New Beat. Auf New Beat will ich an dieser Stelle noch kurz eingehen, weil die Zeit des New Beats sehr kurz war und ich dann später nichts mehr drüber schreiben muss. Unter New Beat verstand man eine Gegenbewegung zum zeitgleichen Acid House. Viele konnte mit Acid House nichts anfangen, weil der Beat zu schnell war und gelegentlich auch kaum tanzbar.
New Beat hingegen war eigentlich die Idee irgendwelche Platten zu meist aus dem EBM-Sektor einfach stark verlangsamt abzuspielen, nun ja davon kann man halten was man will, mein Ding ist das nicht.Aber gut die Zeit des New Beats ging auch gerade mal 2 Jahre und von daher ist es eher als Randerscheinung zu betrachten.

Heutige Vertreter der Techno-Musik sind z.B. Monika Kruse, Ellen Alien, Sven Väth und die Liste ist noch lang, aber und das muss ich an dieser Stelle sagen, sind die Grenzen immer sehr schwimmend und dies hier aufzuschreiben ist nur ein kleiner Versuch, das einzuteilen, aber viele Dj´s die früher sehr technoid waren machen heutzutage minimalere Sounds von daher ist es in einem eher stetigen Fluß der Kategorisierungen eher schwierig macht.

Subgenres von Techno:

Acid Techno auch kurz Acid genannt, ist eine Unterkategorie von Techno. Nachdem die (aufgepasst) Acid-House-Welle Ende der 80er verebbt war, war aufgrund der Popularität des Technos, dies die logische Weiterentwicklung des alten Acid-Sounds allerdings mit starken Techno-Einflüssen, im weiteren Verlauf entwickelte sich dann auch Acid-Trance, was sozusagen eine Kreuzung von Acid-Techno und Trance war. Acid zeichnet sich im Prinzip durch eine Techno ähnliche Basis aus, also der 4/4 Takt, mit dem Zusatz des alten Acid-Sounds dem entweder sehr dunklen Brummen bis hinzu dem beißenden Höhen, bei Acid Trance kam dann auch noch vermehrt melodiöse Sequenzen hinzu oder stark flächendeckenden Sounds.

Detroit Techno ist eine Stilrichtung der elektronischen Musik die sich Mitte der 80er wie könnte es auch anders sein, in Detroit entwickelte. Diese Stilrichtung ist einer reiner Stilmix diverser Einflüsse, zum Tragen kommen Stile wie Funk, Electro-Funk, House, Industrial, EBM und Electro-Pop. So zählen Gruppen wie Nitzer Ebb, New Order, Kraftwerk, Bootsy Collins zu Künstlern die sich sehr inspierend auf die Bewegung auswirkten. Das Konzept des Detroit Technos war es mit alten Konformitäten zu brechen und eine in die Zunkunft blickende Musik zu entwickeln, gerade Musikstile wie Chicago House gingen den Pionieren des Detroit Technos einfach nicht weit genug und so war das Verhältnis zwischen den beiden Richtungen auch eher als gespannt zu betrachten. Künstler die man zu Detroit Techno zählt wären Kevin Saunderson, Derrick May, Robert Hood, Jeff Mills, ganz besonders sollte man Jeff Mills hervorheben, es ist zwar nicht so das er zu den Pionieren gehört, aber wer mit 4-6 Plattenspielern mixt sollte ne besondere Ehrung erhalten einfach nur cool, mal was von dem zu sehen, oder auch was zu hören.

Minimal Techno ist eine meiner bevorzugten Stilrichtungen, gerade Robert Hood den ich vorher zum Detroit Techno zählte und wo er auch hingehört, hat aber mit seinem Album "Minimal Nation" viele Produzenten beeinflußt, die sich hinterher ganz und gar dieser Stilrichtung verschrieben. Der gängige 4/4 Takt ist auch hier die Basis. Allerdings wird hier und das macht es so interessant mit verschiedenen Klangvariationen und Unregelmäßigkeiten im Beat experimentiert hinzu kommen Melodiefragmente und teilweise flächendeckende Sounds oder aber auch überraschende Klänge, die wahllos eingestreut werden. So kann ich an einem Lied ein Beispiel festmachen, wo der Beat sehr monoton war und plötzlich ein Klang eingeworfen wurde, der sich wie ein vorbeifahrendes hupendes Auto anhörte. Manchmal merkt man auch nicht wenn die CD springt, weil das könnte auch gut nen Part des Stückes sein. Unterscheiden tut sich diese Stilrichtungen von den anderen, durch seine Geschwindigkeit die deutlich langsamer ist und durch die bewußt bezweckte Monotonie die sehr hypnotisch wirken kann, treibend würde man dazu sagen. Diese Musik kann vielseitig eingesetzt werden sowohl als tanzbare Partymusik, als auch im Chill-Out Bereich. Enge Verwandschaft besteht mit Clicks & Cuts und natürlich Minimal House, aber dazu später mehr.

Schranz oder aber auch Progressiv Techno genannt ist eine etwas gewöhnungsbedürftige Form des Technos. Hierbei sei auch noch gesagt, das es viele gibt die auch noch nen Unterschied sehen zwischen Schranz und Progressive Techno, dieser Unterschied, wird mir aber ehrlich gesagt meist nicht so ganz klar und deswegen fasse ich die zusammen.
Nun ja, die Schranz-Musik zeichnet sich durch seine Schnelligkeit und Härte aus, der Bass ist auch im 4/4 Takt angesiedelt. Charakteristisch ist auch hier der monotone Sound, der starke Einsatz von Perkussions. Bin zwar früher häufiger auf Schranz-Party gegangen, aber mittlerweile ist diese Richtung doch nicht mehr ganz mein Fall, geschweige denn die Leute die sich doch häufig aus Leuten zusammensetzen die der Synthetik verfallen sind. Häufig geht es dabei nicht mehr um die Musik sondern eher um Dinge wie " Hast du mal nen Kaugummi oder hast du mal ne Kippe " und um Freifahrten auf dem Kieferkarussel.

Letzlich bleibt da noch der Hardstyle, ähnlich eigentlich wie der Progressive Techno, allerdings mit wesentlich mehr Trance bzw. Melodieanteilen die unterstützt werden, durch einen sehr harten Bass. Diese Richtung ist mal so gar nicht mein Fall da ich auch nicht so nen Freund bin, von Trance oder so, das ganze Zeug ist mir nen bißchen zu dancig mit der Verkleidung von Hardcore, nun ja das muss jeder selber wissen, ob einem das gefällt.
Weitere Stilrichtungen des Technos die aber nicht so erwähnenswert sind, sind Brighton Techno, Loop und Sampletechno.
Allerdings beschränken diese Richtungen sich entweder örtlich oder auf die Produktionstechnik.

Dies waren die eigentlichen Unterkategorien von dem eigentlich Techno, da gibt es aber auch noch die Variante des Hardcore Technos der einzeln erwähnt werden sollte, da sich unter diesem Genre noch eine Vielzahl von Subgenres ableiten. Drum sei er hier mal als eigenständiges Genre erwähnt. Also der Hardcore-Techno spielt sich in einem Tempospektrum von ca. 150 BPM ab und zeichnet sich durch einen sehr schnellen und verzerrten Bass aus, häufig kommen auch sehr stark düstere Elemente zum tragen, so werden zum Beispiel häufig Samples aus Horrorfilmen, Kriegsfilmen ab und an finden sich sogar Samples von Metalbands wieder. Was noch interessant ist, ist die Tatsache, das Hardcore Techno früher auch die Bezeichnung für eine Spielart des EBM war, im weiteren Verlauf jedoch gab es eine Begriffsverschiebung und wurde immer mehr dem harten Techno zugeschrieben, die Variante des EBM´s wird heute als Hardcore Electro bezeichnet.

Acidcore ist eine Spielart des Hardcore-Technos der sich nicht großartig unterscheidet in Punkto Schnelligkeit oder Härte, allerdings kommt hier noch der typische Acid-Synthesizer Sound zum tragen. Der Begriff hat sich nicht sonderlich durchgesetzt in der Hardcore-Szene und wird kaum verwendet.

Breakcore ist eine sehr experimentelle Variante und kann sich aufgrunde der verschiedenen Musistile die hier verbunden werden auch sehr unterschiedlich anhören. Die Musikstile setzen sich aus Hardcore-Techno, Drum´n Bass, IDM und Industrial. Einflüsse kommen auch aus dem Ragga, aber dann wird es wiederum Raggacore genannt. Oftmals sind dabei ungewöhnlich stark gebrochene Beats auch in sonst ungewöhnlichen Taktarten wie einem 7/8-Takt zu hören. Im allgemeinen betrachtet ist die Musik sehr hart und das Ausbrechen des Taktes verleiht dem ganzen einen sehr zerstörerischen Charakter. Eine interessante Seite dafür, wo man auch umsonst und legal Musik runterladen kann, wäre
http://www.widerstand.org/ .

Digital Hardcore ist ähnlich wie Acidcore ein nicht so häufig verwendeter Begriff im Bereich des Hardcores, aber durchaus erwähnenswert, ich muss persönlich sagen, das ich diesen Musikstil sehr mag. Der Sound hört sich häufig sehr hart an und ist stark politisch motiviert. Bands wie Atari Teenage Riot oder Alec Empire sind dem Digital Hardcore zu zu rechnen.

Gabber/Gabba ist eine wirklich meiner Meinung nach kaum anhörbare Musik und mit dieser Richtung hab ich mal so gar keinen Vertrag, das Tempo liegt so zwischen 170-250 BPM. Sehr verzerrte und lange nachklingende Bassdrums sind typisch für Gabber, hinzu kommen diverse Samples und Kläng die rein synthetischer Natur sind. Politisch gesehen wird Gabber häufig mit Neonazi´s und Hooligans in Verbindung gebracht, hat aber mit der Ursprünglichkeit nichts zu tun, im Gegenteil, als Gegenmaßnahme wurden häufig Festivals veranstaltet die sich schon in ihrer Benennung stark davon distanzierten. Ich denke, obwohl ich mich da weit aus dem Fenster lehne, das dies vergleichbar ist mit dem Black Metal, der ja auch häufig mit Rechtextremismus in Verbindung gebracht wird.

Doomcore ist eine vergleichbar gediegenere Variante des Hardcore-Technos, es zeichnet sich hauptsächlich durch sehr düstere und darke Melodien aus, wird deshalb auch häufig Darkcore genannt, allerdings ist letzteres eher als Versuch zu betrachten, den Doomcore wieder populärer zu machen, da es einfach die gleiche Musik nur unter neuem Namen ist.

Frenchcore zeichnet sich häufig an Industrial erinnernde Klänge aus, ist auch wiederum ein wenig langsamer, manchmal auch in Verbindung mit ganzen Melodien die während des Tracks durch Effekte verändert werden. Dadurch das es stark an Industrial erinnert, wird es auch häufig mit Industrialcore bezeichnet und so abwägig ist dieser Vergleich auch nicht.

Happy Hardcore ist im Gegensatz zum eigentlich Hardcore und auch seinen Unterarten, eher fröhlicher Natur, häufig werden Vocals verwendet die so hoch gepitcht werden, das sie sich sehr Heliumartig anhören. Hizu kommen noch häufig Piano-Samples, gerade in den mehr kommerziellen Tracks dieser Gattung kommen diese Piano-Samples sehr häufig vor.

Industrialcore, kennzeichnet sich durch metallische Sounds oder Maschinengeräusche. Diese Art kann sowohl langsam als auch sehr schnell sein. Die Beats kommen häufig stark verzerrt rüber und runden damit den industriellen Stil ab.

Erwähnen sollte man hier vielleicht noch Speedcore, allerdings nicht weil ich das so hörbar finde, sondern eher aufgrund der BPM die sich nämlich zwischen 250 und 300 BPM einpendeln, hier werden gerade an der Geschwindigkeit orientiert vermehrt und sehr betont Perkussions zum Einsatz.

So das war es im Prinzip erstmal von der Familie Techno. Im nächsten Part werde ich dann mal die Familie House unter die Lupe nehmen.


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