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Elektronische Musik - Genres und Subgenres III
in Diskussionen rund um Musik 07.03.2010 23:16von Bob Satyr •
| 82 Beiträge
Dann wenden wir uns jetzt mal dem Genres Breakbeat und Industrial zu. Die Ursprünge des Breakbeats sind in den frühen 70ern zu suchen. Kool DJ Herc experimentierte als erster mit dieser Art von Musik herum. Er war einer der ersten der zwei Platten des selben Stückes zu benutzen um die Instrumentalpassagen mit Hilfe von Mischpult und Plattenspieler loopen zu können. Unter Breaks versteht man genauer gesagt, das z.B. mehrere Bruchteile von Takten, in lange Ausschnitte zerteilt und in veränderter Reihenfolge zusammengebracht oder übereinandergelegt. Mit dieser damals neuartigen Technik, legte er auch die Grundsteine für Rap und Hip Hop. Die sich heute noch an ähnlichen Produktionsweisen bedienen. Obwohl in Amerika entstanden konnte es nicht in Konkurrenz treten mit den Genres Hip Hop und Rap und so wanderte diese Musik über den großen Teich und kam in London an. Noch heute gilt London als absolutes Breakbeat-Mekka. Einen richtigen Aufschwung bekam Breakbeat dann so in den 90ern, als direkte Gegenbewegung zum aufsteigenden Acid-Boom, den Breakbeat-Produzenten war der ständige 4/4 Takt zu eintönig. Es entstand dann durch Weiterentwicklung eine Art von Breakbeat die auch als Hardcore bezeichnet wurde, allerdings ist dies nicht zu verwechseln mit dem Hardcore-Techno.
Da sich dieses Genre immer weiterer Popularität erfreute und sich auch große Plattenfirmen davor nicht mehr verschließen konnten, kam es im weiteren Verlauf zu einer Kommerzialisierung dieses Genres. Dies hatte weiterhin zur Folge, das viele Leute sich verraten gefühlt haben, in den eigentlichen zum Untergrund gehörenden Idealen. Kurz darauf folgte das Subgenre Jungle, was einen Rückzug aus dem Kommerz war und den Weg in den Untergrund fand.
Verwirrend bei der Bezeichnung Jungle ist die Namensgebung, einige Leute sagen es ist auf den Londoner Club Jungle zurückzuführen der diese Art Musik spielte zum anderen wird gesagt, das die meisten Breaks von James Brown Platten stammten und daher auf die Compilation Into the Jungle Groove zurückzuführen sei.
Subgenres von Breakbeat:
Als Begründer des Big Beats gelten the Chemical Brothers, die Mitte der 90er als erstes die Art von Musik spielten, als Resident DJ´s in dem Londoner Club The Heavenly Social. Später eröffneten Norman Cook(Fatboy Slim) und Damian Harris das Label Big Beat Boutique, dieses Label war auch späterer Namensgeber für diese Stilrichtung.
Musikalisch betrachte bedient sich Big Beat vom Rhythmus her an den Stilen Techno, Hip Hop, House und natürlich Breakbeat. Es wird häufig ergänzt durch real gesampelte Schlagzeugloops. Hinzu kommen an Acid erinnernde Sound, die aber auch aus dem Rock oder Punkbereich kommen können, häufig finden auch flächige Sound Anwendung.
Der Jungle Stil wie schon obenerwähnt, entwickelte sich aus dem Versuch einer Entkommerzialisierung, der Breakbeatszene. Starke Einflüße kommen aus dem Ragga und Dancehall. Die Geschwindigkeit liegt so bei 170 BPM allerdings nur die Geschwindigkeit der Drums, denn die Bassline und der Gesang ist um die Hälfte langsamer und das ist es auch was wahrscheinlich den Jungle am besten beschreibt. Hinzu kommt das die Bassline meistens aus dem Dub/Reggae Elementen besteht. Im Laufe der Entwicklung wurde Jungle immer minimalistischer und die Raggaelemente verschwanden fast vollständig, gerade ein Subgenre von Jungle, nämlich Darkside setzt auf sehr düstere Klänge. Die logische Konsequenz war irgendwann die Entstehung des Drum´n Bass.
Denn gerade der Drum´n Bass setzt auf eine minimalere Klangabfolge und ist auch ein wenig schneller, als Jungle und liegt so zwischen 150 und 190 BPM. Meist wird auch auf den Shouter verzichtet der bei Jungle üblich ist und war.Bevor ich hier, mich in nichtssagenden Versuchen ergötze diese Musik zu beschreiben, gebe ich hier an dieser Stelle ein Beispiel Goldie - Terminator dies ist sozusagen der Pioniertrack des Drum´n Bass. Weitere Kategorien die sich noch unter Drum´n Bass ansiedeln wären:
Jump Up: Eine sehr schnelle Variante des Drum´n Bass, die sehr stark auf die Elemente Drum und Bassline reduziert ist. Hier kommt noch oft ein Element des Jungles zum tragen, da hier häufig noch der Shouter Verwendung findet.
Hard Step: Der in seinem ganzen Klang ein wenig verzerrter ist, allerdings auch wie oben bei Jump Up beschrieben, sein Hauptaugenmerk auf Drum und Bassline legt und dadurch viel Rhytmusorientierter ist.
Techstep: Techstep bezieht seine Inspirationquelle hauptsächlich aus dem Techno, insbesondere die Synthiesounds kommen hier häufig zum Tragen.
Darkstep: Wie schon bereits erwähnt, unterscheidet sich diese Variante nicht großartig vom eigentlich Drum´n Bass oder auch vom Jungle, ausser in der Tatsache, das dieser Sound ein wenig minimaler und düsterer klingt als normalerweise üblich.
Jazzstep: Diese Variante bezieht sein Inspiration hauptsächlich aus dem Jazz-Bereich unter Hinzunahme von Jazz-Samples und Jazz-Harmonien. Hieraus entwickelte sich der Liquid Funk.
Liquid Funk: Liquid Funk ist House, Soul und Funk orientiert, hinzukommen atmosphärische Sounds und eine etwas langsamere Taktung. Dies ist mehr dafür gedacht es zu Hause zu hören, als das es eine Clubtauglichkeit hat.
Atmospheric Drum´n Bass: Ist auch eine sehr ruhige Variante des Drum´n Bass die aber ein höhere Clubtauglichkeit aufweist, der A. Drum´n Bass entnimmt häufig flächige Sounds aus dem Genre Ambient auf die ich in nem anderen Teil noch zu sprechen komme. Häufig wird das ganze noch mit Ethno-Samples aufgepeppt so das noch eine höher hypnotische Wirkung eintritt. Erfolgreichster und bekanntester Vertreter ist LTJ Bukem.
Neurofunk/Futurestep: Dies ist eine an dem schon beschriebenen Techstep angelehnte Variante, allerdings kommen hier auch häufig Elemente aus Jazz,Funk und Acid zum tragen. Bedeutende Vertreter wären Ed Rush und Optical.
Drum Funk: Drum Funk ist eine Variante des Drum´n Bass, die hauptsächlich auf die Drums wert liegt. Es ist auch unter den Begriffen Edits oder Choppage bekannt. Musikalische Einflüße kommen hauptsächlich aus dem Jazz, Funk und Dub.
Bei dieser Musik ist die Idee wieder ein wenig zurückzukehren zur Ursprünglichkeit, so kommt es häufig vor, das man das Gefühl hat, das die Drums real eingespielt worden sind, da auf Verfremdungen meisten verzichtet wird.
Dann wären wir jetzt beim Glitchcore oder auch Clicks & Cuts genannt angelangt, dies ist eine weitere Unterform des Breakbeats. Gerade Glitch ein Wort was auf Fehler in Schaltkreisen hinweist ist auch sozusagen Programm bei dieser Art von Musik. So kann es durchaus vorkommen das eine verkratzte springende CD das Thema eines ganzen Liedes ist, ich hatte auch schonmal im Verlauf meiner Versuche die Genres zu beschreiben erwähnt, das man bei mancher Musik nicht merkt, wenn die CD gerade mal springt und es entweder zum Lied gehört oder aber auch wirklich mal auf eine defekte CD hinweist. Dennoch ist es häufig so, das diese Form von Musik auch von flächendenkenden Sounds begleitet ist und durchaus sehr rythmisch klingt, weil die Cuts so präzise von statten gehen, das sie zum einem gut klingenden Sound werden. Bedeutende Vertreter dieser Musik sind Akufen, Apparat, Jan Jelinek uvm. allerdings muss man dabei sagen das gerade Clicks & Cuts auch sehr eng verwandt ist mit Minimal-Techno. Während Glitch sich hauptsächlich an dem von mir schon beschriebenen Noise orientiert.
Nu Skool Breaks oder kurz Nu Breaks ist eine weitere Variante des Breakbeats, den man in zwei Kategorien einteilen sollte, zum einen der technoide Break, der sich durch sehr technoide und tranceartige Sounds auszeichnet. Vocals und Stimmen werden meist stark verfremdet verwendet, aber im allgemeinen hat dieser Stil einen recht ruhigen Charakter. Manche bezeichnen diesen Stil auch als Electro und man kann auch behaupten das die Grenzen häufig verschwimmen.
Zum anderen kommt der housige Break dazu, hier finden Elemente aus House, Acid und Funk zusammen. Dieser Stil wird häufig als tanzbarer und aggressiver empfunden, so das er auch eher eine Clubtauglichkeit ausweist.
Eine weiter Stilart wäre 2 Step oder auch UK Garage genannt, diese Spielart der elektronischen Musik, vermischt funkige Breakbeats mit dem typischen Garagesound. Als Vorläufer dieser Musik ist Speedgarage anzusehen. Diese Stilrichtung und Speedgarage sind auch eigens sich entwickelnde Britische Sounds. Eine Unterart des 2 Steps ist Grime. Grime bedient sich an Hip Hop und 2 Step, aber auch an Drum´n Bass. Er ist die logische Weiterentwicklung zu 2 Step, weil er in seinem Sound aggressiver und roher rüberkommt.
Jetzt hätten wir im großen und ganzem das Genre Breakbeat abgegraßt und wenden uns dem Genre Industrial zu.
Der Industrial ist eine Musikrichtung die sich Anfang der 70er aus der Avantgardemusik entwickelte, der Begriff Industrial stammt von dem englischen Label Industrial Records. Das von der Throbbing Gristle gegründet wurde und eine zentrale Stellung im frühen Industrial inne hatte.
Das hauptsächliche Konzept des Industrials war es zu provozieren und mit vorhandenen Moralvorstellungen zu brechen, sowohl musikalisch wie auch gesellschaftlich. Es werden häufig extreme Darstellungen von Gewalt und Sex genutzt um zu provozieren, natürlich hatte dies Anfang der 70er nen anderen Effekt wie heutzutage. Diese Darstellungen wurden mit einem verstörenden und aggressiven Klang untermalt so das die Wirkung noch bedrohlicher war. Die Weiterentwicklung des klassischen Industrialsounds wird häufig auch als Post-Industrial-Ära bezeichnet. Darunter ist die Aufspaltung in mehrere Subgenres zu verstehen. Beeinflußende Musikstile wären Musique Concrete, Noise und Avantgardemusik sowie auch in darstellender Hinsicht diverse Aktionskünstler und Schriftsteller. Durch die Entstehung von Stilen wie IDM, Hardcore-Techno und Clicks & Cuts die alle stark von Industrial beeinflußt sind, kam es zu starken Überlagerung und so entstanden dann auch Musikgenres wie Breakcore, Techno Industrial und Rhythm & Noise.
Subgenres von Industrial wären z.B.
Aggrotech, dies sind Musikstile die vorallem durch Leute wie Funker Vogt oder Suicide Commando oder auch wumpscut geprägt wurden, alle diese Bands waren eigentlich vorher im Bereich des Electro Industrial beheimatet.
Dieser Stil entwickelt sich Anfang der 90er, gerade während des Aufblühens des Technos und so wurde gerade auch dieser Stil sehr stark durch Techno geprägt ist. Hinzukommt ein stark verzerrtes Brüllen oder Schreien, gepaart mit einem einfach 4/4 Takt der sehr stark technoider Natur war und so kommt alles in allem diese Musik auch sehr kalt und aggressive rüber, aber ich denke ansonsten hätte sie wohl auch kaum den Namen Aggrotech verdient.
Dark Electro vorerst auch Dark Techno genannt ist auch eine Spielart des Industrial bzw. eine Vermischung aus EBM Elementen und Industrial, der Sound ist Industrial typisch allerdings mit dem Einsatz von flächigen Sounds, hinzu kommen noch starke Krächz und Grunzgeräusche oder sollte ich eher Gesang sagen. Dieser Stil war eigentlich ein Stil der sehr wenig Beachtung fand, allerdings haben Ende und Mitte der 90er gerade Bands aus dem Gothic-Bereich den Ruhm geerntet, den schon Bands wesentlich früher hätten ernten sollen.
Death Industrial ist eine Art, die ähnliche und stark an Noise erinnernde Basisgeräusche verwendet, allerdings mit dem Zusatz das sie diese Geräusche verwendeten um einen Death Metal oder Doom Metal ähnlichen Sound zu erzeugen. Allerdings muss ich gestehen, das mir diese Musikrichtung nicht so vertraut ist und die einzige Band die ich kenne und dazu zählen würde, wäre Maschinenzimmer 412, allerdings kenne ich auch nicht allzuviel davon. Ist auch vielleicht nicht so ganz das was ich so bevorzugt höre.
Electro Industrial ist eher vielleicht noch zu EBM zu zählen, der aber einen starken Hang zum Post-Industrial aufweist. Enstanden ist dieser Stil in Belgien. Im Prinzip ist es eine Symbiose aus den stark monotonen, zumeist verrzerrten, sehr maschinell wirkenden Industrial-Rhythmusstrukturen und den elektronischen Klängen des EBM´s zu der Zeit als dieser den Übergang fand zum Hardcore-Electro.
EBM ist eine Musikrichtung die in den frühen 80ern entstanden ist. Dieser Stil zeichnet sich vorallem durch sich wiederholende Sequenzen, durch aggressive Shouts und stark rhythmisch orientiert und dadurch stark zum Tanzen animierend. Gerade dieser Stil wird als Vorreiter des modernen Technos angesehen.
Dark Ambient ursprünglich auch als Ambient Industrial bezeichnet ist eine Stilrichtung, die sich hauptsächlich durch
Kompositionen mit wiederholenden Arrangements, Sprachsamples und bedrohlich anmutenden Klanglandschaften erzeugt, die allerdings dem Ambient üblich sehr flächendeckend sind.
Industrial Metal und Industrial Rock sind Metal oder Rock ähnliche Musikstile mit dem Einfluß des Industrials und seiner elektronisch ausgerichteten Anteile. Man kann aber sagen, das diese Elemente eher spärlich eingesetzt werden und im eigentlichen auf die traditionellen Rock oder Metalelemente zurückgegriffen wird. Bekannte Bands dieser Richtungen wären Nine Inch Nails, Ministry und Marylin Manson.
So das war´s mit dem dritten Teil meines Versuches Musik in Schubladen zu pressen, im nächsten Teil, komme ich auf Ambient, Dance und Elektro Funk zu sprechen.
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